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SCHLOSS

Die Erbauung

Die alte Residenz, das Schloss Philippsburg in Ehrenbreitstein, war renovierungsbedürftig geworden und dem aus sächsisch-polnischer Markgrafen- und Königsfamilie stammenden neuen Erzbischof nicht repräsentativ genug. Deshalb wurde ein neuer Repräsentationsbau notwendig. Die Landstände, die die Notwendigkeit eines Neubaues nur schwerlich akzeptieren wollten, konnten erst nach längeren Diskussionen zur Geldbewilligung bewogen werden. Das Kurfürstliche Schloss wurde schließlich von 1777 bis 1793 im Auftrage des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen im neuen Koblenzer Stadtteil Neustadt erbaut. Entwerfender Architekt war zunächst der Pariser Architekt Pierre Michel d’Ixnard, der in Süddeutschland schon mehrere Bauten geplant hatte.
Nach Kritik an seinen Schlossplänen wurde ein Gutachten der Pariser Architektenakademie eingeholt, die diese Kritik bestätigte. D´Ixnard wurde entlassen und nunmehr der Franzose Antoine-François Peyre der Jüngere mit den neuen Bauplanungen beauftragt, die einen wesentlich einfacheren und kleineren Baukörper vorsahen. Auf Peyre geht das Schloss in seinem jetzigen Erscheinungsbild zurück.
Die Pläne für die Gestaltung der Innenräume und die der Möbel stammen größtenteils vom Architekten Peyre. Mit der örtlichen Bauleitung war u.a. Johann Andreas Gärtner aus Dresden betraut, der in Koblenz den im Zweiten Weltkrieg beschädigten und danach abgeräumten Festungsschirrhof (heutiger Reichenspergerplatz) erbaute. Sein in Koblenz geborener Sohn Friedrich von Gärtner errichtete in München u.a. die Ludwigskirche, Bauten an der Ludwigstraße und die Feldherrnhalle. Zu den Künstlern des Schlossbaues gehören der Bildhauer Johann Sebastian Pfaff und der Maler Januarius Zick.
Am 23. November 1786 zogen Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen und seine Schwester Maria Kunigunde von Sachsen, Fürstäbtissin zu Essen in das neue Schloss ein. Ein Jahr später wurde unweit des Schlosses das neue Theater eröffnet. Erschreckt durch den Ausbruch der Französischen Revolution, stellte der bisher reformfreudige Kurfürst Clemens Wenzeslaus alle Reformen ein und führte ein strengeres Regiment. Den Emigranten und den flüchtigen Mitgliedern des mit ihm verwandten französischen Hofes (Clemens Wenzeslaus war der Onkel des französischen Königs Ludwig XVI.) bot er - insbesondere im Schloss Schönbornslust vor den Toren der Stadt Koblenz - eine Zufluchtstätte. Damit wurde Koblenz ein Zentrum der französischen Royalisten.

Das schnelle Ende

Wegen des Heranrückens der französischen Revolutionsarmee im 1. Koalitionskrieg musste Kurfürst Wenzeslaus am 7. Oktober 1794 endgültig aus seinem Territorium fliehen. Zwei Wochen danach wurde Koblenz von den Franzosen unter General François Séverin Marceau eingenommen. Der Trierer Kurstaat war am Ende und wurde 1801 größtenteils an Frankreich angegliedert. Die Innenausstattung des Residenzschlosses konnte deswegen nie vollendet werden. Die mobile Ausstattung ließ der Kurfürst noch vor seiner Flucht auf Schiffe verladen und nach Augsburg verbringen, wo sie Teil der Ausstattung der fürstbischöflichen Residenz wurde. Nach dem Tode von Clemens Wenzeslaus wurde sie teilweise versteigert. Große Teile aus den Repräsentationsräumen des Koblenzer Schlosses gingen jedoch in den Besitz des Königreichs Bayern über. Diese Stücke sind heute noch im Schloss Johannisburg in Aschaffenburg, im Schloss Nymphenburg in München, in der Münchner Residenz, in der Stadtresidenz Landshut und in der Neuen Residenz Bamberg erhalten. Nach der Flucht des Kurfürsten diente das Kurfürstliche Schloss zeitweise als Militärlazarett und ab 1815, nachdem es in den Besitz Preußens gekommen war, als Kaserne.

Unter preußischer Herrschaft

Von 1823 bis 1842 war das Kurfürstliche Schloss Sitz verschiedener preußischer Behörden und Gerichte. Bis 1911 war im Erdgeschoss der Amtssitz des Oberpräsidenten der preußischen Rheinprovinz. Im Kopf des südlichen Zirkularflügels befand sich bis 1918 die Hauptwache der Stadt Koblenz.
1842 bis 1845 wurden die Innenräume nach Entwürfen von Friedrich August Stüler durch Johann Claudius von Lassaulx verändert, da der Bau zur offiziellen Residenz des preußischen Königshauses für seine Aufenthalte im Rheinland wurde.
Zwischen 1833 und 1852 war auf dem Belvedere des südlichen Schlossflügels ein optischer Balkentelegraf der preußischen Telegrafenlinie Berlin-Köln-Koblenz untergebracht. Es handelte sich um die abschließende Station 61 der Anlage, und im Schloss waren gleichzeitig das telegrafische Expeditionsbüro sowie Räume für die Verwaltung der westlichen Teile der Telegrafenlinie untergebracht.
In den Jahren 1850 bis 1858 amtierte hier als preußischer Militärgouverneur für die Rheinprovinz und die Provinz Westfalen Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I., mit seiner Gattin Augusta. Sie gab den Anstoß, die später nach ihr benannten Kaiserin-Augusta-Anlagen (Rheinanlagen) anzulegen. Kaiserin Augusta besuchte alljährlich bis wenige Wochen vor ihrem Tod im Januar 1890 das Schloss und die Stadt Koblenz, ihr "rheinisches Potsdam".
Das Schloss blieb bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges häufiges Besuchsziel der königlich-preußischen Familie. 1914 war es zu Beginn des Krieges kurzzeitig Sitz des Großen Hauptquartiers und Kaiser Wilhelms II.. Kurioses erlebte das Schloss, als hier vom 25. Oktober 1923 bis 9. Februar 1924 Separatisten die Rheinische Republik ausriefen.
In der NS-Zeit wurde am 24. Mai 1935 auf dem Vorplatz des Kurfürstlichen Schlosses eine Thingstätte eingeweiht. Die Thingbewegung wurde als Propagandamittel ins Leben gerufen, aber kurze Zeit später wieder eingestellt, da sie sich als wirkungslos heraus stellte. Die Thingstätte wurde 1944 bei einem Luftangriff zerstört und später mit Trümmerschutt aus der Stadt verfüllt.

Wiederaufbau und Nutzung nach 1945

Bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg war die Schlossanlage 1944 bis auf die Außenmauern zerstört worden. In den Jahren 1950 bis 1951 wurde sie äußerlich nach alten Plänen, mit moderner Innengestaltung im Stil der Fünfziger Jahre, wieder aufgebaut. Lediglich im Mittelbau wurden das repräsentative Treppenhaus, das Vestibül, der Gardesaal (heute „Spiegelsaal“ oder „Kurfürstensaal“ genannt) und der Gartensaal rekonstruiert. Leitbild war dabei der klassizistische Zustand der Erbauungszeit. Dies galt auch für die Wiederherstellung der Gartenanlagen, insbesondere des Schlossplatzes. Der einzige noch historische Raum ist der Vorraum zur nicht mehr bestehenden Schlosskirche im nördlichen Kopfbau des Hauptgebäudes. Die Zirkularbauten erstanden in schlichten modernen Formen wieder und behielten nur den Grundriss der Erbauungszeit bei. Zunächst diente das Gebäude als Sitz des Alliierten Sicherheitsamtes.
Im Jahre 1946 wurde das Land Rheinland-Pfalz als Rechtsnachfolger Preußens Eigentümer des Baues. Es verkaufte ihn aber 1960 an die Bundesrepublik Deutschland, die seitdem Eigentümerin ist. Bei der letzten Restaurierung 1998 wurde statt der bisherigen äußeren Farbgebung in Ocker/Blau-Rot, die für die preußischen Garnisons- und Festungsbauten sowie Schlösser Preußens üblich war, diejenige des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt - weißgrau für die Wandflächen und Grau für die Architekturglieder. Heute wird die ehemalige Residenz als Bürogebäude für verschiedene Bundesbehörden (z.B. Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die das Schloss auch verwaltet, Hauptzollamt, BWB, Prüfungsamt des Bundes) genutzt und ist deshalb nur bei Sonderveranstaltungen öffentlich zugänglich.
Seit 2002 ist das Kurfürstliche Schloss Teil des von der UNESCO ausgezeichneten Weltkulturerbes „Oberes Mittelrheintal“. Die Stadt Koblenz hat den Zuschlag für die Bundesgartenschau 2011 erhalten. Die Planungen laufen dahin, dass der Platz vor dem Schloss als Teil der Austragungsfläche genutzt werden soll.

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